I R A N

Das einzige A s y l l a n d der antiken Welt

 

Comte de Gobineau schreibt in seinem Buch „Trois ans en Asie“: „Weil ich die Iraner persönlich und intensiv kennengelernt habe, kann ich mehr darüber erzählen. Sie sind ein altes Volk, wie sie selber sagen, das älteste Volk, das es geschafft hat, in uralten Zeiten ordentliche Regierungen im heutigen Sinne zu organisieren. Und Roman Ghirshman schreibt in seinem Buch L’Iran des Origines à L’Islam): Die Iraner waren das allererste der Völker, die ein Weltreich gründeten und den bis dahin noch nie dagewesenen Geist der Gerechtigkeit erweckten. Das iranische Reich war Hunderte von Jahren Zentrum der Weltpolitik. Es gibt nicht nur die zwei oben genannten Beispiele. Hunderte von Orientalisten, Altertumsforscher und Philosophen haben diese Tatsachen entdeckt und die dazugehörigen Dokumente durchstudiert und sind so zu diesem Ergebnis gekommen. Alle Dokumente, die diese Forscher gefunden und durchstudiert haben, sind für jedermann zugängliche und überprüfbare Originalfunde aus dem Iran und dem iranischen Kulturbereich, die überall auf der Welt in Bibliotheken und Museen zu bekommen und zu bewundern sind.
Wenn ein altes, großes Reich wie Altiran als erstes darauf kommt, als wichtigste Elemente des Regierens Gerechtigkeit jedem gegenüber, Menschenrechte im allgemeinen, Wahrhaftigkeit, und ein Leben in Tüchtigkeit, jedoch ohne asketische Einschränkungen und mit viel Lebensgenuß propagiert, dann müssen sie diese Ideen doch von irgendwo herhaben? Fast alle Iranisten denken sofort an „Zara-thustrismus“, die wichtigste altiranische Religion mit ei-nem weltweiten Einfluß auf alle Religionen und philosophische Denkschemata usw.
Hegel, der deutsche Geschichtsphilosoph hat in seinen Arbeiten die humanistische und freiheitliche Rolle des Irans in der Geschichte besonders betont und hervorgehoben. Dabei hat er auch das Zarathustrische in Betracht gezogen und die Bedeutung dieser Religion dabei ent-sprechend gewürdigt. Der frühe und einzigartige humanistische Liberalismus und die Rechtstaatlichkeit sind durch verschiedenartige Phänomene leicht wahrzunehmen. Wir brauchen nicht unbedingt alle Museen und Bibliotheken der Welt zu durchkämmen. Es genügt, wenn wir uns bei allen Hochkulturvölkern dieser Welt vor Augen führen, wie die gesellschaftlich-soziale Situation in den jeweiligen Ländern gewesen ist. Auch dafür gibt es über-prüfbare Dokumente, die man noch leicht einsehen kann. Wenn wir von Hochkulturländern sprechen, dann meinen wir Länder, deren Namen seit Tausenden von Jahren existieren und die identifizierbare, kulturelle Leistungen erbracht haben. Zu diesen Hochkulturländern gehören unter anderem auch China, Indien, Iran, Ägypten und Griechenland.

China
Es gibt in China keine geschichtliche Epoche, in der Freiheit, Menschenrechte und die Gleichheit der Menschen irgendwo besonders erwähnt worden sind oder auch nur theoretisch zur Debatte standen. Unterdrückung, Sklaverei und Willkür der Mächtigen haben früher in China eine wichtige Rolle gespielt und spielen heute noch eine unübersehbare Rolle. Sklaverei und staatlicher Widerstand gegen Flucht der chinesischen Sklaven vor Unterdrückung und Zwangsarbeit ist die einzige Motivation für den Bau der chinesischen Mauer, die im übrigen ein Weltwunder ist, gebaut durch Zwangsarbeit der chinesischen Sklaven. In einem Hochkulturland hat die Idee der Menschenrechte, der Liberalismus und die Gleichberechtigung keine Chance gehabt, immer noch nicht. Der Platz des himmlischen Friedens ist der Schlachthof des Freiheitsgedankens.


Indien
Die Benennung eines Symptoms ist für Indien ausreichend, um dieses Land auch in den alten Zeiten als Land der Unterdrückung, der Unfreiheit und der Ungerechtigkeit zu entlarven. Die Einteilung der Menschen in Kasten, die über ihren Wert (!) als Mensch urteilt, ist ein Hohn. Seit Tausenden von Jahren bis zur heutigen Zeit ist ein strenges und grausames System der Menschenverachtung und Versklavung in Indien Recht, und niemand innerhalb Indiens, ganz zu schweigen außerhalb Indiens, macht sich Gedanken über dieses Problem. Wenn das indi-sche Kastensystem mit all seinen Grausamkeiten und Gnadenlosigkeiten nicht gewesen wäre, würden die Zigeuner noch heute in ihrer Heimat Indien ein Nomadendasein führen wie andere Nomaden in Zentralasien, Afrika und wo sonst auch immer. Indien war und ist kein Land für Demokratiegedanken.

Ägypten
Die Ägypter sind keine Araber, sie sind aber von ihnen durch den Islam so verschlungen worden, daß sie ihre ursprüngliche und echte Identität verloren haben. Die Ägypter sind in dem arabischen Magen des Islams restlos verdaut worden. Sie sind heute arabischer als die Araber selbst und brüsten sich, politisch immer wieder als Führer der arabischen Welt zu gelten. Die Glanzzeit der Ägypter war also vor der Islamisierung und Arabisierung dieses Landes. Die Zeit der Pharaonen ist die Belle Époque Ägyptens, wo alles wunderbar und wundersam zugleich war. Hyroglyphisch-exotisch wirken die Phänomene des gesellschaftlichen Geschehens eines nordafrikanischen Landes. Kritiklos und blauäugig steht man fasziniert vor der Kolossalität der Wunderbauten von Abu Zimbel und dem genauso exotischen Schrittempo der Kamele.
Niemandem ist bewußt, daß Pharao in Ägypten Gott, König und Herr aller Ägypter war. Ganz Ägypten gehörte dem Pharao und seiner Familie. Und die Ägypter, die in keiner nahen Verwandtschaft zu dem Pharao standen, waren Sklaven der Herrn. Alle Sehenswürdigkeiten Ägyptens sind durch Sklaven gebaut worden, durch unbezahlte Zwangsarbeit wie in China und Indien auch.
Demokratie, Freiheit und Gleichheit der Menschen und Menschenrechte sind auch in Ägypten im Altertum Fremdwörter gewesen. Bei solchen Voraussetzungen gehen wir davon aus, daß es in früheren Zeiten auch in diesem Hoch-kulturland keinen Liberalismus, keine Toleranz Fremden gegenüber und auch keine Möglichkeit des Asyls gegeben hat.

Griechenland
Im alten Griechenland gab es schon große Schwierigkeiten zwischen den Griechen selbst, und die übrigen Völker der Welt wurden von den Griechen Barbaren genannt.
Obwohl ursprünglich alle „Barbaren“ genannt wurden, die nicht griechisch sprechen konnten, entwickelte sich diese Bezeichnung zu einem Schimpfwort und einem rassistisch-nationalistischen Bezeichnungswerkzeug, welches wildfremd, dumm, unedel, primitiv, unzivilisiert und kulturlos bedeutete. Noch heute hat diese Bezeichnung ähnliche Bedeutung. Die weiterentwickelte Bedeutung dieser Wort-schöpfung spricht nicht für die glaubhafte, griechische Demokratiebekundung in der Antike. Berühmte Griechen wie Plato und andere haben in ihren ebenfalls berühmten Schriften lange Monologe über die „Griechische Demokratie“ gehalten, die seit mehreren Jahren im Bereich der Märchen angesiedelt worden sind. Was von der griechischen Demokratie als Wahrheit zu halten ist, zeigen unten aufgeführte Tatsachen:
Alle Hochkulturländer wurden von den Griechen als Barbarenländer bezeichnet. Die Griechen setzten voraus, daß diese Barbaren eigentlich geborene Sklaven seien. Plato sagt: „Ich bin dankbar, daß ich Grieche bin und kein Barbar, frei bin, und kein Sklave, Mann bin und keine Frau...“
Vorerst hält er die Nicht-Griechen, die Sklaven und die Frauen für minderwertig. Plato spricht sich in seinen Schriften gegen die Individuation von Menschen, gegen persönliche Entwicklung aus und für staatlich gelenkte Wohngemeinschaften. Alles Geld und alle Frauen sollen zwischen Männern gerecht geteilt werden. Schriftsteller, Dichter und Redner sollen ins Exil geschickt werden. Persönliche Freiheit, persönliches Eigentum lehnt Plato kategorisch ab. Babies sollen sofort nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden und in staatlichen Stillotheken (!) ernährt und erzogen werden!! Plato sieht in den meisten Menschen geborene Sklaven. Auch Aristoteles macht keinen Hehl daraus, daß er ein grausamer Unmensch ist, ein gefühlloser Macho übelster Sorte. Er hat in grausamster Art und Weise in seinem Buch „Organon“ den Grundstein und ein Manifest für die totale Gefangenschaft der Menschheit gelegt. Aristoteles sagt: „Die Sklaven sind vegetierende Dinge, Dinge sind nicht vegetierende Sklaven“!

Die Entmenschlichung der Sklaven ist der Gipfel der Unmenschlichkeit bei Aristoteles. Was war also mit dem griechischen Demokratie-Märchen? Kurz und bündig sind diese Zeilen die ganz bittere Wahrheit über die künstlich aufgeblähte, sogenannte griechische Demokratie. In der Blütezeit der Demokratie in Griechenland durften nur klägliche 18.000 Griechen dieselbe genießen. Dagegen mußten 10.000 Griechen, die nicht in Athen geboren worden waren, gemeinsam mit 400.000 Sklaven, die aus an-deren Ländern kamen, in Griechenland auf die berühmte aber substanzlose Demokratie verzichten. Man stelle sich vor: Von 428.000 Griechen bekamen nur 18.000 die Demokratie zu spüren!
China, Indien, Ägypten und Griechenland haben es seit Tausenden von Jahren verpaßt, Humanismus, Freiheit und Menschenrechte in ihren Staats- und Regierungsformen zu installieren. Keines dieser Länder dachte jemals daran, Fremde in ihr Land zu lassen.
Kehren wir getrost zurück nach Iran und erinnern wir uns an die kurzen Äußerungen von Comte de Gobineau und Roman Ghirshman, und suchen wir weitere verläßliche Äußerungen z. B. bei Hegel: „Die echte Bedeutung der Achämeniden liegt in ihrer geschichtlichen Klugheit und der Charta der Freiheit der Nationen der Welt.“ Hegel sagt: „Die Iraner sind das erste Volk auf der Welt, bei denen die Menschengeschichte der Welt beginnt. Mit der Gründung der achämenidischen Reiche beginnt auch die eigentliche Geschichte.“ Er sagt weiter: „Das achämenidische Reich war eine starke Regierung im heutigen Sinne. Ächemenidische Könige haben als erste der Geschichte den Humanismus, den Liberalismus und die Großzügigkeit Fremden und Feinden gegenüber ausgeübt in einer Zeit, wo die grausame Ermordung des Feindes in der uralten Welt noch als Tugend galt. In manchen Gegenden der Welt ist es noch heute so.
Es wird allen Lesern dringend empfohlen, im alten Testament die Geschichte über die Befreiung der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft durch Kurosch, den achä-menidischen König, zu lesen. Obwohl die Juden andere Religionen hatten, eine andere Rasse waren und eine andere Herkunft als die Herrschenden im Iran hatten, gab Kurosch ihnen die Freiheit selbst zu wählen, ob sie im Iran bleiben wollten oder in das gelobte Land zurückkehren wollten. Etwa 4600 Juden wollten nach Jerusalem zurück. Sie bekamen Geld, um ihr Gotteshaus in Jerusalem wieder aufzubauen. Diese Geschichte bleibt ein einsames Ereignis in der Menschheitsgeschichte und ist eine typisch iranische Geschichte. Sie zeigt, was dokumentarisch nachzuweisen ist, daß Iran zwischen 500 vor Christus und 620 nach Christus, also etwa vor 1120 Jahren das erste und einzige Asylland der Welt war. Sowohl Achämenidische Könige als auch partische und sassanidische Könige pflegten es besonders, einen einmaligen Liberalismus und Humanis-mus zu praktizieren. Dieser Wille war ihre Absicht und innere Überzeugung. Diese ehrliche Überzeugung stammte aus der zarathustrischen Religion der Iraner, die jeden Zarathustrier verpflichtet, andere Religionen, Kulturen, Sprachen und Rassen zu akzeptieren und nicht zu vernichten. Über 1000 Jahre konnte jeder politisch, religiös, welt-anschaulich und rassistisch Verfolgte nach Iran kommen und mit einer allumfassenden, humanistischen Aufnahme, Versorgung und Integration rechnen. Es ist zu bemerken, daß eben aufgrund einer zarathustrischen Überzeugung im Iran niemand wegen seiner Herkunft, Religion, Überzeugung und Weltanschauung verfolgt oder bestraft wurde. Diese Tatsache muß der alten damaligen Welt bekannt gewesen sein, wenn man sich allein die Liste der Asylanten der griechischen Prominenz anschaut. Einige Beispiele aus dieser Liste der Asylanten können vielleicht nicht schaden.
Zwei berühmte Asylanten, die den Asylantenstrom nach Iran öffneten, waren Hippias, der als Athener Tyrann verschrien und verfolgt war und Demaratus, der König von Sparta, dem Lebensgefahr drohte. Diese beiden Asylanten haben beim iranischen Großkönig in Susa Asylrecht bekommen. Sicherheit und große Unterstützung ist ihnen zuteil geworden. Zwei hohe griechische Offiziere, Miltiades und Chersonesus, haben in der achämenidischen Zeit Asylrecht im Iran bekommen. Auch Pytagoras, der griechische Mathematiker und Gelehrte, kam in der Zeit von Dariusch nach Iran, blieb einige Jahre dort und bekam ein Gehalt, womit er in Ruhe arbeiten konnte. Die Griechen hielten Pytagoras für einen Atheisten, und deshalb mußte er Griechenland verlassen und einige Zeit im Iran Asyl suchen. Pytagoras wußte, daß im Iran Wissenschaft, Kultur und Kunst sehr hoch eingeschätzt wurden und vor allem Religionsfreiheit herrschte. Er wußte auch, daß im Iran niemand wegen seines Glaubens verfolgt wird. Deshalb lebte er ruhig und sicher im Iran und widmete sich seiner Wissenschaft, die der Welt viele brauchbare Erkenntnisse erbrachte. Darius half ihm, sorgte dafür, daß seine Wissen-schaft als Erbe für die Menschheit nicht zugrunde ging.

Themistocles wurde von seinen Landsleuten aus Athen vertrieben, obwohl er als Sieger der Salamisschlacht galt. Er fand Asyl im Iran.
Der Feldherr Pausanias, der den Plataia-Krieg führte, bat auch die iranische Regierung um Asyl und bekam es.
Ktesias war Historiker, Arzt, und sein sehr bedeutendes Werk „Persika“ ist an manchen Stellen authentischer als Herodot. Er fühlte sich in Griechenland bedroht, kam nach Iran, bekam Asyl und wurde sogar Arzt am Königshof.
Alcibiades, der homosexuelle Freund des Sokrates wurde wie Sokrates auch zum Tode verurteilt, aber er flüchtete nach Iran, bat um Asylrecht, bekam es und blieb ein Leben lang im Iran, wo er auch starb.
Auch Lysandres gehörte zu der prominenten Gruppe der Asylanten im Iran.
Conan, der athenische Kriegsherr fand politisches Asyl im Iran

Herodot

 

 

 

Antalkidas, ein namhafter Admiral der griechischen Flotte, war ebenfalls Asylant aus politischen Gründen im Iran.
Der Grieche Pelopidas war zwar offiziell als Botschafter der griechischen Regierung im Iran, bat aber um Asyl und blieb für immer dort. Er war in Griechenland politisch in Ungnade gefallen.
Nicht nur die Achämeniden, auch die Sassaniden-Könige waren sich ihrer humanistisch-liberalistischen Verpflichtung bewußt, auch hier nur einige Beispiele:
In der Regentschaftszeit von Schapur dem Zweiten aus der Sassanidendynastie, etwa Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr., verurteilte der christliche König in Ephesus mehrere griechisch-römische Wissenschaftler, Gelehrte und Künstler, weil der christliche Glaube mit der griechischen Philosophie nicht im Einklang stand. Alle der betroffenen Wissenschaftler wurden aus den Philosophieschulen herausgeworfen, ihre Bücher, die von Sokrates, Plato und Aristoteles stammten, wurden ebenfalls aus den Schulen entfernt. Für diese „gefeuerten“ Gelehrten bestand akute Lebensgefahr, weil Justinian, der römische Imperator sich selbst darum kümmerte!
All diese Gelehrten kamen nach Iran, fanden selbstverständlich Asyl, und viele dieser Gelehrten fanden auch in der iranischen Universität Gondi-Schapur Gelegenheit, als Professoren zu lehren und ein entsprechend würdiges Leben zu führen. Die Aufnahme dieser Gelehrten hat nicht nur das Leben derselben gerettet, sondern auch die Schriften griechischer Philosophen, die wir bis heute noch zur Verfügung haben.
Nachdem Anuschirwan, der iranische König, in einem Krieg den römischen Kaiser besiegte, bestand er darauf, daß in dem Friedensvertrag stehen müsse, daß die Gelehrten jederzeit in ihre Heimat zurückkehren könnten, ohne daß irgendeine Gefahr sie bedrohen würde.
Dieser Tatsachenbericht ist kein Märchen aus 1001 Nacht, und jeder kann darüber lesen und sich selbst davon überzeugen. Seitdem im Iran die arabisch-islamische Invasion die politisch-sozialen Strukuren verändert hat und ein anderer religiöser Wind weht, ist man deutlich beschei-dener geworden, über altiranische Tugenden zu sprechen. Aber allein, daß ich mich hier daran erinnere, ist ein archetyper Beweis dafür, daß wichtige Reste dieser Tugenden doch in uns lebendig sind und jederzeit abgerufen werden können.

Alkibiadis