War H A F E S Zarathustrier ?

 


Da alle guten Menschen im islamisch-beherrschten Iran Muslime gewesen sein sollen, muß der Hafes, einer der größten Dichter Irans, selbstverständlich nicht nur ein Muslim gewesen sein, sondern ein sehr frommer Muslim! Und obendrein soll er sogar den Koran auswendig gelernt haben.
Diese unverschämte Übertreibung ist eigentlich typisch für Propaganda und Volksbeeinflussung, aber motiviert andererseits die kritischen Geister, sich dagegen zu wehren.
Hier geht es jedenfalls darum, durch Hinweise, die der Dichter uns selbst gibt klarzustellen, daß diese Behauptung doch ein dummes Geschwätz aus der Propagandakiste der totalitären islamischen Herrscher in Iran stammt: Das persönliche Leben von Hafes ist sowieso in Dunkelheit ge- hüllt. Hier fließen Unwirklichkeit und Legende oft ineinander, so daß wir uns lieber an die Gedichte von Hafes halten und unseren Eindruck davon kundtun. Wir gehen Hinweisen nach, die in uns den Eindruck erwecken, er sei im Grunde genommen ein Zarathustrier gewesen, und diese Tatsache mußte er aus Angst vor islamischen Repressalien verheimlichen. So geheim sind aber seine zarathustrischen Gefühle und Gedanken doch nicht geblieben. Durch diese Arbeit soll die Aufmerksamkeit der Leser darauf gelenkt werden, daß man beim Lesen von Hafes' Geschichten auf diese besonderen Hinweise eben besonders Obacht gibt. Zuvor aber kurze Bemerkungen zu seinem Lebenslauf:
Er soll als dritter Sohn eines wohlhabenden Kaufmannes in Schiraz im Jahre 1320 geboren worden sein. Sein Vater ist früh gestorben und dadurch hat die Familie den Wohl- stand verloren. Er soll später als Bäckerlehrling tätig gewesen sein und durch einen Textilkaufmann, der neben der Bäckerei sein Geschäft betrieb, zum Dichten inspiriert worden sein. Darüber hinaus gab es zu Hafes' Lebzeiten drei Fürsten, von denen zwei sein Leben so beeinflußt haben, daß wir sie hier erwähnen sollten: Der erste Fürst Abuneshagh regierte zwischen 1343 bis 1353. Der zweite war Fürst Schodja, der zwischen 1358 und 1385 regierte. Diese beiden Fürsten waren an Kunst und Literatur interessiert, tolerant und sinnesfroh. Den Gedichten von Hafes ist zu entnehmen, daß er sich oft mit ihnen zusammengesetzt hat. Er ging am Hof der beiden ein und aus, Hafes schrieb viele Gedichte, in denen die Namen
dieser beiden Fürsten vorkommen . Sie werden positiv, heiter und voller Freude besungen.
Der dritte Fürst Mobares-al-din regierte kurze Zeit, von 1353 bis 1358. Er war, wie iranische und ausländische Autoren schreiben, ein finsterer Muslim, ein grausamer Frömmler: Er unterbrach seine Koranlektüre, um zum Tode Verurteilte eigenhändig auf einem Spezialtisch neben seinem Thron zu enthaupten. Sichere Quellen berichten, daß er diesen Akt nach seinen eigenen Aussagen mindestens 800 mal ausgeübt hat.
Hafes nannte ihn "Mohtasseb", "Sittenvogt" und feierte hocherfreut seinen Abgang in einem besonderen Gedicht, nicht zuletzt deswegen, weil der Sohn und Nachfolger Schah Schodja das von ihm erlassene uniranische und islamische Weinverbot wieder aufhob.
Mobares-ad-din wird in Hafes Gedichten als bigotter Asket bezeichnet, dessen Ermahnungen sich Hafes teils spöttisch, teils ärgerlich verbittet. Dieser Hafes, der intensive freundschaftliche Beziehungen zu den beiden liberalen, sinnes- frohen und trinkfreudigen Fürsten hatte und den blutrünstigen, frommen Moslem und Fürsten haßte und nicht ausstehen konnte, dieser Mensch konnte kein Moslem gewesen sein, schon gar nicht ein frommer.
Europäische Autoren, die sich an Hafes und seine Dichtung vorsichtig herantasten, erwähnen es oft mit Verwunderung, daß Hafes in seinen Gedichten sehr oft alt- iranische und nicht islamische Elemente erwähnt, die große philosophische Bedeutung von entscheidender Trag- weite haben.
Hier untersuchen wir auch die Meinung ausländischer Autoren, wie sie die Hinweise verarbeiten, die nach unserem Dafürhalten klare Beweise sind, daß Hafes ein iranischer Patriot zarathustrischen Glaubens gewesen ist: "Hafes spielt mit den Namen der alten, teils mythischen, teils historischen Könige, die Ferdousis, Buch der Könige "Schahnameh", das persische Nationalepos, behandelt. Am häufigsten nennt er Djamschid, der im Besitz eines magischen Pokals (Weltenglas) war, in dem die Geheimnisse des Universums sich erschauen ließen, so dann Kaykawus, den Sassaniden Keychosrow und Chosrow-Parvis".
Neben diesen nichtmuslimischen Königen, die alle sowohl mythisch-historische als auch lebensphilosophische Bedeutung haben, wendet sich Hafes einem alten, echt iranischen Phänomen zu:
" Dies ist der "Magierglaube", die Religion Zarathustras, die Hafes in MERKWÜRDIGER!! Weise in seine Dichtung einbezieht. Es muß hier vermerkt werden, daß der von Hafes so hochgeschätzte Wein, der gerade in Persien ungeachtet des islamischen Verbots jederzeit heimlich oder öffentlich genossen wurde, in den Klöstern von Christen und von Magiern gehandelt und kredenzt wurde. So kommt es, daß Hafes in der Schenke den Magier-Prior (Pire Moghan) findet. Der Islam hat in diesen Gemäuern nichts zu suchen. Nur der Sufi, der seine Mönchskutte- bei Hafes immer ein Symbol frommer Heuchelei- als Pfand an der Pforte läßt, hat Eintritt in die Schenke; und sollte er einer seiner Gebetsteppiche mitgebracht haben, so mag ihm wohl der Magier-Prior den Rat erteilen, ihn mit Wein zu färben, denn für Eingeweihte bewirkt der Wein keine Befleckung, sondern vielmehr erst die wahre Reinigung. Der Magier-Prior ist es auch, der die Rätsel der Welt zu lösen vermag. Sein Pokal gleicht dem Weltenglas des Djamschid".
Der Wein ist bei Hafes nicht nur die Quelle des Lebens, der Weisheit und der Freuden. Der Wein ist dem Muslim verboten und aus diesem Grunde wird dieses Getränk zur Weltanschauung. Man trinkt erst recht den Wein, um seine anti-islamische oder anti-arabische Protesthaltung zu akzentuieren.
Die fromme Kritik wird energisch zurückgewiesen, und nicht nur das; man hält den Philistern ihre eigenen widersprüchlichen Dogmen entgegen. Einige Beispiele:
Such im Kuß junger Wangen
flüchtigen Genuß,
weil man vor der List der alten
Welt doch flüchten muß
* * * *

Schenke mit den Tulpenwangen,
reich den Muschuswein,
Denn das Muschusmal auf Tulpen
nahm das Herz mir ein.
* * * *

Vierzehn Jahre zählt mein Schätzchen,
zwei mein Rebenkind;
Mir genügt's, wenn Jung und Alte
so besammen sind.
* * *

Wer wie Tulpen rotgefüllte
Kelche kreisen ließ,
reinige von diesem Frevel
sich mit Rebenblut
* * * *

Sollst Du am Morgenwein Dich freun
bei Paukenschall und Harfenklange,
Bei Flötenhauch und Feuerkuß
an junger Schönheit Dich erbauen
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Ich, und dem Wein entsagen!
Was soll das Sagen sein?
Sollt' ich so unverständig
in alten Tagen sein?
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Jene Mahner, die auf Kanzeln
sich gebärden mit Gepränge,
Handeln anders im geheimen
als sie reden vor der Menge.
***

Pfaffe nach des Vogtes Sinn,
prahle nicht! Der Sultan
wählt mein armes Herze, drin
sich zur Ruh zu setzen.
***

Können sie sich als Leserin oder Leser dieser Beispiele vorstellen, Hafes ist ein frommer Moslem gewesen? Der Autor nicht.