Die Insel G O T L A N D Altiranisches Kulturerbe auf einer schwedischen Ostsee-Insel

 

Die Insel Gotland ist 150 km lang, an ihrer breitesten Stelle fünfzig km lang, an der engsten Stelle fünf km lang. Die höchste Erhebung ist etwa achtzig Meter über dem Meeresspiegel. Auf der Insel existieren knapp einhundert Kirchen und Kapellen.
Kulturhistorisch gesehen ist die Insel Gotland einer der interessantesten Orte dieser Welt. Die Faszination über diese Insel ist deshalb so glühend und stark, weil dort noch heute beeindruckende Spuren einer über 7000 Jahre alten Kultur altiranischer Herkunft z. B. auf Steinen gemeißelt zu finden und zu identifizieren sind.


Insel Gotland, Ostsee
Bedauerlich ist nur die Tatsache, dass die einigen wenigen Publikationen, die über die Insel Gotland existieren, dieser Tatsache in keiner Weise gerecht worden sind und vielleicht selbst die Autoren aufgrund mangelnder Recherche die Zusammenhänge gar nicht erkannt haben. Man ist sogar manchmal geneigt zu unterstellen, dass diese kulturhistorischen Zusammenhänge, besonders wenn sie in vorchristlichen Zeiten von Nichteuropäern verursacht, d. h. durch kulturelle Leistungen geschaffen worden sind, gerne ignoriert werden. Normalerweise kann man sich schwer vorstellen, dass kundige, phänomenologisch angehauchte Kulturhistoriker solche wichtigen und erstaunlichen Phänomene, die eigentlich neue Erkenntnisse und neue Aspekte für die Wissenschaft der Altertumsforschung bedeuten, einfach übersehen oder stiefmütterlich behandeln. Oft müssen Beobachter aus den Hochkulturländern wie Iran, Indien, China, Ägypten usw. Zeugen europäischer Nationalismen sein. Diese politischen Machenschaften, die den wissenschaftlichen Fortschritt verlangsamen, sind schädliche Irreführungen und wissenschaftlich verantwortungslos. Um die wichtigen kulturhistorischen Phänomene der Insel Gotland selbst zu untersuchen, wende ich mich an die zweite Auflage eines sehr informativen und vielumfassenden Buches mit dem Titel: „Gotland, Insel der Götterschiffe, von Uwe Lemke, 1986, Verlag Urachhaus. Die erste Auflage dieses Buches ist 1970 erschienen. In unserer Zeit, 2001 – 2002 ist es wissenschaftlich gesehen, keine Besonderheit mehr, dass man bewiesenermaßen und gesichert Informationen erhält, dass z. B. die norddeutschen Bauern vor 7 – 6000 Jahren iranische Bauern und Landwirtschaftsexperten zu Besuch auf Nord- und Ostsee-Inseln oder dem Norddeutschen Festland begrüßen durften und mittelfristige Aufenthalte der Gäste aus dem Morgenland zu verwandtschaftlichen Beziehungen und Konsequenzen geführt haben, die man heute aufgrund exakter Haaranalysen nachgewiesen hat.
Obwohl die zweite Auflage des Buches von U. Lemke aus dem Jahre 1986 (16 Jahre nach der ersten Auflage) stammt und vieles überarbeitet worden ist, muss man selbst dieses Buch im Hinblick auf die rasanten Fortschritte der wissenschaftlichen Altertumsforschung schon als überholt und antiquiert ansehen. Dennoch verdient Uwe Lemke für dieses hervorragende Buch großes Lob und ich bin dankbar, dass mir eine so nützliche Veröffentlichung zur Verfügung steht: Ein empfehlenswertes, lohnendes Buch. Schon in der „Einleitung“ gibt der Autor den folgenden Hinweis: „Das, was auf Gotland erlebt werden kann, ist von einem geistigen Band durchzogen, das die unendlich vielen Teile zusammen hält. Wir wollen ... bei der Beschreibung der Geschichte Gotlands das Augenmerk auf die Bewusstseinswandlungen im Menschen durch die Jahrhunderte und Jahrtausende lenken“. Jedoch bleibt dies ohne zufriedenstellende Konsequenz. Viele Fragen werden nicht einmal gestellt, geschweige denn beantwortet. Alles, was klargestellt werden soll, bleibt eher in „Jahrhundertensicht“ stecken, und nur sehr selten wird die Schwelle der „Jahrtausende“ kurz, vorsichtig, schnell und sanft gestreift.
Der Autor versucht so, eine Art Mythologie Gotlands darzustellen. Die Geschichte Gotlands soll erstmalig 1300 n. Chr. geschrieben worden sein: „Gotland fand zuerst der Mann, der „Tjelvar“ hieß. Da war Gotland so verzaubert, dass es am Tag sank und die Nacht oben war. Aber dieser Mann trug als erster „Feuer“ in das Land, und dann sank es nie mehr.“ Der Autor sieht an diesem Satz schon eines der zahlreichen Rätsel dieser Insel, ich nicht. Man kann sich unschwer vorstellen, dass vor 7 – 6000 Jahren Völker des Ostens, des Orients, auch die Insel Gotland besucht haben und nach dem Motto: EX ORIENTE LUX auch das Feuer mitgebracht haben. Die Kenner des altiranischen Seefahrertums würden diese Hypothese für höchst wahrscheinlich halten. Diesen Seefahrern war alles zuzutrauen.
Wie immer kann man das Feuer, Licht und Helligkeit sowohl dinglich-materiell als Kulturelement und zivilisatorisches Phänomen, als auch als inneres Gut, als Licht des Erkennens, Feuer der inneren Erleuchtung ansehen. In beiden Fällen hat man hier eindeutig mit altiranisch-sarathustrischem Gedankengut und Lebensphilosophie zu tun. Die sarathustrischen Lieder, „Gatha“, sind die unerschöpfliche Quelle dieses Feuers und dieser Erleuchtung. Außerdem ist zwischen der iranischen und der germanisch-deutschen Mythologie ein großer Unterschied, welcher logischerweise durch die klimatischen Verhältnisse beider Bereiche zustande gekommen ist. Paläoklimatologisch gesehen ist vorstellbar, dass vor etwa 7 – 6000 Jahren die norddeutschen Tage, die ihre Erwähnung häufig in der Mythologie finden, nicht oft von der Sonne verwöhnt und die Tage häufig eher düster waren. Die Menschen mussten in diesen wolkigen, düsteren und auch nassen Tagen tagsüber in den Wäldern und Feldern für ihre Nahrung, für ihr Überleben arbeiten. Erst am Abend, in der Nacht kamen sie erschöpft dazu, sich um die „Innerlichkeiten“ zu kümmern, zusammen zu kommen, zu diskutieren und zu feiern. Die Heilige Nacht, Weihnachten, Walpurgisnacht und weitere Bezeichnungen sind modifizierte Überbleibsel aus dieser Zeit. Das Feuer aus dem Osten kann auch die Tage im Norden heller gemacht haben, so wie auch die Offenbarungen religiöser Art: „Nachdem der Mann Feuer in das Land trug, sank der Tag nie mehr“. Es ist also folgerichtig, wenn der Autor die „Anfänge Gotlands in vorhistorischer Zeit“ sieht. Er vermutet selbst: „Es war das Sinnesfeuer, das entfacht wurde und allmählich die Menschen aus den lichten Nachtbereichen in die Erden-Tagessicht überzog“.
Hier erinnert sich der Autor, vollkommen unverständlich, an die abwegige Mythologie des Feuers bei den Griechen. Feuer als Räuberbeute und Unheilbringer. In diesem Zusammenhang hätte der Autor ruhig auch das Feuer in den beduinischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam, was die Unheilbringung des Feuers betrifft, erwähnen können. Falsch und unlogisch wäre all dies trotzdem geblieben. Wie der Autor ausführt, hat das Feuer, das Licht, die Helligkeit als fremdartiger Artikel und Auslandsimport doch Positives für Gotland gebracht. Warum der Autor aber nicht einmal an die altiranische, arische, sarathustrische Feuerlehre und Philosophie gedacht hat, bleibt unser einziges Rätsel bei dieser Geschichte.
Um weiter zu kommen, unterlasse ich das Spiel mit dem Feuer, das als ein reines, erhellendes Element eine positive Rolle sowohl in gotländischer als auch in der iranischen Mythologie spielt, im Gegensatz zu griechischen und beduinischen Kulturkreisen.
Die mythologische Hauptgestalt und der Held Gotlands heißt „Thjalvi“, wobei der Entdecker der Insel „Tjedvar“ heißt. Die Ähnlichkeit dieser beiden Namen könnte ein Hinweis darauf sein, dass es sich um die gleiche Person handelt. Jedenfalls wird dieser „Thjalvi“ein wichtiger Begleiter des mächtigen Gottes „THOR“. Der berühmte Hammer Thors, der „das Ziel niemals verfehlte“, wurde auch von „Thjalvi“ gehalten (verwendet). In der altiranischen Mythologie gibt es die ähnliche Parallelität. Da gründet ein kraftvoller Eisenschmied „Kaweh“ einen Revolutionsrat gegen „Sahhak“, den Herrscher des Bösen. Der Kaweh ist ebenfalls einer der mit seinem Hammer in Erscheinung tritt. Der „Hammer“ hat in beiden Fällen eine besondere mythologisch-philosophische Bedeutung.
Die germanische Mythologie beauftragt den Gott „Thor“, sich nicht nur mit den drohenden und angsterregenden Naturgewalten zu beschäftigen, sondern auch mit den Menschen als Individuen und mit den Vorgängen im menschlichen Leib. Thors Hammer ist das makrokosmische Pendant des menschlich-mikrokosmischen Pulsschlages usw.

 

Auch hier ist eine Gelegenheit zu erwähnen, dass in der germanischen Mythologie, welche ebenfalls auf der Insel Gotland zu Hause ist, die altiranische Makrokosmos-Mikrokosmos-Spekulation Pate gestanden hat.
„ Tjelvar“, der Entdecker Gotlands hatte einen Sohn, der „Havde“ hieß. Er und seine Frau zeugten drei Söhne, unter denen Gotland geteilt wurde. Den nördlichen Teil der Insel bekam der älteste Sohn „Graip“, den mittleren Teil erhielt der zweitälteste Sohn „Gute“, und der jüngste Sohn „Gunfjam“ bekam den südlichen Teil.
Auch in der iranischen Mythologie teilt die mythologische Gestalt König „Fereydun“ aus der Pischdadian-Dynastie das iranische Großreich unter seinen drei Söhnen „Salm“, „Thur“, und „Iradj“. Auch mit der gleichen Vorstellung von „Gerechtigkeit“, „Aufgabenverteilung“, „Unionsgefühlen“ usw.
Es ist nicht erstaunlich, wenn der Autor schreibt: „Es wurden Spuren menschlicher Besiedlungen gefunden, die in die Zeit bis etwa 5000 Jahre v. Chr. zurückgehen... Das heißt, dass es bereits in der damaligen Zeit die Seefahrt gab. Die Funde aus der Zeit um 2000 v. Chr. zeugen dann auch vom Seehandel in Verbindung mit anderen Ländern.“
Was bedeutet die Anonymisierung anderer Länder? Die bisherigen Funde beweisen, dass hier mit anderen Ländern in erster Linie „Iran“ gemeint sein muss. In dieser Zeit blühte die altiranische Seefahrt und der Handel auf dem Wasserwege, und dies nicht nur Richtung Norden Europas. Auch in Südeuropa, z. B. Südfrankreich gibt es genug Beispiele für diesen Tatbestand.
Der Name Gotland zeigt eine ethymologische Verwandtschaft mit der Bezeichnung „Gott“,. Wenn in Iran und im Norden Europas an einen einzigen Gott gedacht wurde, dann hatte dieser Gott keine Ähnlichkeiten mit dem beduinischen Gott und Gottesbegriff in den entsprechenden Religionen. Es sieht so aus, dass der Gottes-Begriff in der Mythologie der Insel eine bedeutende Rolle gespielt hat. Der Autor schreibt hier: „Die Gottheit wurde also von den Völkern im Norden nicht als ein allmächtiger, richtender und strafender Herrscher erlebt, sondern als ein Wesen, das sich selbst gleichsam zurückzieht und dem Menschen einen Freiraum gibt.“ Dies ist genau die Definition des iranisch-sarathustrischen Gottes-Begriffes „Ahura-Maz-da“. Die Ähnlichkeiten sind Gemeinsamkeiten und sprechen dafür, dass die mythologische Quelle in einer einzigen Kultur zu suchen ist.
Auf der Insel Gotland wimmelt es von Gemeinsamkeiten zu Altiran. Für die altnordischen Menschen war die Axt- oder Beilform wahrscheinlich ein Symbol des Muts, der Kraft und dem Willen zum Kampf. Dazu schreibt der Autor: In diese Kampf-Steine wurde immer wieder das Sonnenrad eingeritzt. Das Sonnenrad auf dem Axtstein ist der beste Hinweis darauf, dass die Auseinandersetzungen, Heldentaten und Mutproben als das Ringen der kosmischen Sonnenkräfte im Menschen mit den Mächten der Finsternis erlebt wurden.
Wenn wir uns die Zeugnisse archäologischer Funde ansehen, stellen wir fest, dass das Sonnenrad vor etwa 8000 Jahren im Südwesten Irans aufgetaucht ist. Das Sonnenrad ist neben anderen Symbolen religiöser Art ein Überbleibsel aus der vorsarathustrischen Zeit im Iran, wo Naturreligionen die Hauptachse des Volksglaubens bildeten. In Yaschtha (ein Teil der vorsarathustrischen Literatur) wird über die Sonne gesagt: „Wir freuen und huldigen der ewigen Sonne, die majestetische, mit schnellen Pferden“. Eigentlich ist die Sonne Gott, Ahura-Mazda: „Ahura-Mazdas Leib ist aus dem Leuchten der Sonne“. „Die Sonne ist das Auge Ahura-Mazdas“. Das mythologische Land der Sonne ist Iran, das Land ist auch der Produzent des Sonnenkults und der Verbreiter dessen mittelbar und unmittelbar in allen Kulturen.
Wie sehr viele erzchristliche Autoren spricht Lemke auch von „heidnischen Zeiten“ Gotlands.

Dabei unterlässt er jeglichen Mindesthinweis auf die genauere Untersuchung des Begriffes „heidnisch“.

Alles nicht christliche ist heidnisch, und Schluß. Man kann differenzierter davon ausgehen, dass auch auf Gotland der altiranische Mithra Sonnenkult als Glaube geherrscht hat und bei der Christianisierung als Insel-Glaube abgeschafft wurde.
Lemke schreibt: „König Olav hatte mit Gewalt den christlichen Glauben in Norwegen eingeführt und musste nun vor seinen revoltierenden Untertanen fliehen. Die Flucht des heiligen Olav können wir auf 1029 datieren“. Island musste sich wohl auch in dieser Zeit dem Christentum beugen.
„ Auf dem Weg zu seinem Schwager Jarosláw kam Olav nach Gotland. Die Gotländer schenkten ihm und seinem Schiff, das vor der Küste vor Anker lag, lange Zeit keine Beachtung.“
„ Es scheint aber auch zu blutigen Kämpfen zwischen Olavs Mannen und den Gotländern gekommen zu sein. So wird von der Schlacht bei Laikarhaid berichtet, bei der Olav bös` wie eine finstere Wolke aussah“.
Die Christianisierung Europas ist eine ausgesprochene „Zwangschristianisierung“ gewesen. Daher hat er auch diese Zwangsmaßnahme in Nordeuropa im 11. Jahrhundert gegen den massiven Widerstand der Völker begonnen. Auch die Zwangsislamisierung der sarathustrischen Iraner ist hier erwähnenswert, damit nicht der falsche Eindruck entsteht, die Gewalttaten der Zwangsbekehrungen seien eine Spezialität des Christentums. Alle beduinischen Religionen sehen die Zwangsbekehrung als heilige Pflicht und unverzichtbare Tat an. Die Juden haben diese Zwangsbekehrungen nur nicht durchgeführt, weil diese Religion für eine bestimmte Gruppe von Menschen kreiert war und darauf ausgesprochenen Wert gelegt wurde. Das auserwählte Volk behält seine Religion lieber für sich selbst. Niemand, kein Volk und keine kulturbeladene Menschengruppe gibt seine alte Religion, seine innere Überzeugung und die lebensphilosophischen Grundsätze freiwillig ab. Zumal die Bekehrung kollektiv durch die Invasion fremder, sozusagen weniger kultivierter, sogar beduinischer Völker auf militärischer Basis geschieht. Die nordischen Völker Europas haben über Tausende von Jahren auf natürliche Weise über eine Kultur verfügt, welche kompatibel mit den vorhandenen Archetypen stabil funktionierte. Plötzlich mussten diese Völker allein durch ihre militärische Unterlegenheit über Nacht einen neuen Glauben, das Christentum, widerwillig übernehmen.

 

 

Da die christlichen Newcomer hektisch und ungeduldig auf Quoten angewiesen waren, war es ihnen vorerst wichtig, dass ihre Nachrichten voll von Siegeszügen der Christianisierung über viele Länder waren. Unter welchen Bedingungen die Völker den christlichen Glauben annahmen, war erst einmal unwichtig und nicht erwähnenswert. Die Bedingungen der Neuchristianisierten sahen offenbar so aus, dass wir heute noch insbesondere in der katholischen Kirche sehr viele Spuren des vorchristlichen Glaubens, speziell den Sonnenkult-Glauben wiederfinden:
- Die Vorverlegung des Geburtsdatum Christi
auf den 24. Dezember
- Das Stehenlassen der Wochen- und Monats-
namen
- Die Übernahme von zahlreichen Ritualen in
das Kirchenleben.

 


Das sind nur einige wenige Beispiele aus einer langen Liste vorchristlicher Phänomene, die fest im Christentum verankert sind. Eines der wichtigsten Phänomene, welches wohl als unverzichtbare Bedingung gegolten haben muss, war die Integration der „Sonne“ in das Christentum und in die Kirche. Diese faszinierende Integration eines Symbols einer Religion in eine andere
ist ein einzigartiger Vorgang in der Kulturgeschichte. Die Sonnenkultgläubigen bestehen darauf, dass das wichtigste Symbol ihrer aus dem Altiran stammenden Religion in einer beduinischen Religion, die sich ihrerseits ein altiranisches Symbol, das „Kreuz“, zu eigen gemacht hat, zusammen, nebeneinander, besser gesagt, beieinander existieren muss, und dies geschieht auch. Sowohl die „Sonne“ als auch das „Kreuz“ sind altiranische religiöse Symbole, die sich in das Christentum integriert haben. Das Sonnenrad ist nichts anderes als ein gebrochenes Kreuz. Das iranische Kreuz ist viel später als christliches Symbol übernommen worden. Wir wissen genau, dass Christus selbst den „Fisch“ als Zeichen des Christentums gewählt hatte. Das Fisch-Zeichen taucht immer wieder als Motiv in Wandmalereien auf. Die Wände der Katakomben waren ebenfalls mit Fisch-Motiven bemalt. Der Fisch hatte im Urchristentum eine wichtige Bedeutung. Als bildliches Symbol für die Menschenernährung, Jonas im Walfisch usw. Lemke erwähnt auch, dass Christus seine Jünger auch „Menschenfischer“ nannte. Er selbst wurde oft als Fischer symbolisiert dargestellt. Lemke fährt fort: „In jener Zeit lag der Frühlingspunkt der Sonnenbahn im Sternbild der Fische“. Die goldene Ostersonne ist genau in dieser Zeit auch das Frühlingsanfangsfest der Iraner, das Nourus-Fest.
Der, kulturell gesehen, erfreuliche Widerstand der sonnenkultgläubigen Gotländer ist der Grund für die kulturelle Vielfalt auf dieser Insel und die Gegenwärtigkeit von allerlei Symbolen und Spuren aus Tausenden von Jahren, nebenbei auch eine Lektion an uns selbstgerechte Alleswisser, dass unsere Urahnen viel mehr an kulturellen, sozialen und weltumfassenden Leistungen erbracht haben, als wir uns vorstellen können. Wenn dieser Widerstand nicht so hartnäckig gewesen wäre, so wie ich den Eifer der Beduinenreligionen kenne, hätten sie alle vorchristlichen Symbole und kulturellen Rituale und Gegenstände beseitigt. Diese absolutistische, religiös-dogmatische Haltung ist heute in Afghanestan noch lebendig und wird wie selbstverständlich rechtfertigt.
Alle vorislamischen Kulturerben sind heidnische Darstellungen und müssen beseitigt werden. Ein anderes Thema, welches wiederum die Gemeinsamkeiten zwischen der altiranischen und gotländischen Uraltkultur herausstellt, sind die sogenannten „Taufsteine“. Darüber schreibt Lemke: „Es ist schwer festzustellen, aus


welcher Zeit diese Steinsetzung stammt, erstreckt sich doch der Zeitraum über mehrere Jahrtausende.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum die Offenbarung eines iranischen Kulturphänomens in Gotland so schwer datierbar sein soll! Diese von Lemke genannten „Taufsteine“ und die Tradition ihrer Herstellung ist älter als das Christentum. Auf Gotland gibt es sehr verschiedene Taufsteine,

 

die Dokumente von sehr weit auseinanderliegenden Zeiträumen sind.
Es ist sicher, dass diese „Steinkelche“, „Steinbecher“, Großwasserbehälter aus Stein gemeißelt bei den Sonnenkult-Gläubigen auch eine wichtige rituelle Bedeutung religiöser Art gehabt haben, denn im Iran gibt es Jahrtausend alte, ähnliche „Steinkelche“ und „Steinbecher“, die heute noch herumstehen und man ist sich über die richtige Funktion dieser Gegenstände noch nicht im Klaren. Später wurde der Bau solcher Wasserbehälter von iranischen Muslimen und iranischen Armeniern (orthodoxe Christen) übernommen und sie haben ihre Verwendung gefunden. Wir müssen davon ausgehen, dass die von Lemke genannten „Taufsteine“ ursprünglich weder mit dem Christentum noch mit dem Islam zu tun haben, es sind altiranische Sonnenkult-Accessoires, die Jahrtausende alt sind und Gott sei Dank von diversen neuen Religionen übernommen worden sind.
Als letztes wichtiges Beispiel und auch ein Beispiel für die starke Faszination Gotlands ist das Thema der „Sonnenkreuze“. Auf Seite 112 seines Buches spricht Lemke endlich über die vorchristlichen, kosmischen Kreuze, die man auf Gotland sehen kann. Bei ihrem Widerstand ge-


gen die Christianisierung Gotlands bestanden offensichtlich die Gotländer entschieden darauf, dass wenn der christliche Glaube angenommen werden soll, dann auch unter anderem unter der Bedingung, dass die von den Altiranern übernommenen Kreuze mit der altiranischen Sonne als Symbol gotländischer Kultur und ihrer Religion mit erhalten bleiben müssen. Diese erfreuliche Bedingung der Gotländer ist offensichtlich widerstandslos befolgt und angenommen worden. Das Kreuz als späteres Symbol des Christentums ist mit der Sonne zusammengeschweißt, und dies ist die gotländische Variante des Christentums unter Beibehaltung vorchristlich-iranisch-gotländischer Symbole verschiedenster Art.
Ich begnüge mich nur noch mit der Erwähnung einer gemeinsamen „Vorstellung von Seelenwägung“: Gauthem St. Michael und die Seelenwägung Kaiser Heinrich II. unter Mithilfe des Laurentius, Fresko aus dem 15. Jahrhundert n. Chr. und eine postsarathustrisch-iranische Zeichnung aus der Sassaniden-Zeit aus etwa dem dritten bis vierten Jahrhundert n. Chr.
Erst am Ende des Buches, auf Seite 221 überwindet sich der Autor und lässt sich endlich zu folgendem Satz verleiten, allerdings ohne, dass er das Wort, die Namensbezeichnung Iran, Altiran, Persien oder ähnliches erwähnt:
„ Durch ein neues Bewusstsein, das in dem Christus das kosmische Sonnenwesen schauen kann, sehen wir auch die Insel Gotland neu, die von Urzeiten her die Stätte einer Sonnenverehrung gewesen ist.