Approbationsordnung im alten Iran



Das Wort Approbation kommt aus dem Lateinischen, approbatio -= Billigung.
Approbation heißt also staatliche Zulassung, die ein Arzt braucht, um als Arzt tätig zu werden. (Das gilt auch bei den Apothekern, und es bedeutet die bischöfliche Genehmigung zum Druck religiöser Schriften).
Vor etwa 3500 Jahren begann sich in Iran eine montheistische Religion auszubreiten durch den großen Reformator Zarathustra. Die Lehren der Religion Zarathustras sind in der Avesta (das heilige Buch der Zarathustrier) niedergelegt. Da Avesta aus verschiedenen Büchern mit verschiedenen Namen besteht, müssen wir uns das Buch vornehmen, in dem zarathustrische Regelungen über die Heilkunde, Ärzte und Hygiene niedergeschrieben sind. Dieses Buch, ein Teil Avestas, heißt Vendidad, mit dessen Inhalt wir uns bezüglich der Approbationsordnung für Ärzte im alten Iran be-schäftigen wollen.
Die zarathustrische Religion ist auf einen Gott, „Ahura Mazda“ aufgebaut. Mit Ahura Mazda kamen auch die sechs guten Geister: Wahrhaftigkeit, gute Gesinnung, Weisheit, Herrschaft, Gesundheit und Langlebigkeit.
Zarathustra und Zarathustrier sehen die Aufgaben der Menschen darin, das Gute im Kampf gegen das Böse zu unterstützen; damit erwerbe sich der Mensch die Anwartschaft auf ein glückliches Leben auf Erden und im Jenseits.
Die Ärzteschaft der zarathustrischen Gesellschaft war selbstverständlich auch durch die oben genannten Vorsätze beseelt.
Die zarathustrische Ärzteschaft bestand aus drei Facharztrichtungen: „Wenn Ärzte zusammenkommen, die verschiedene Heilarten ausüben, o Spitama Zarathustra - einer, der mit dem Messer heilt, einer der mit Pflanzen heilt, und einer, der mit den heiligen Worten heilt, ist der heiltüchtigste....
Es gab also Pflanzenärzte (Internisten, Kinderärzte usw.) Messerärzte (Chirurgen, HNO-Ärzte, usw.) und Wortärzte, (Psychiater, Psychotherapeuten), die angeblich die tüch-tigsten Ärzte gewesen sind.
Alle diese altiranischen Ärzte benötigten schon damals eine Approbation, also eine staatliche Genehmigung, um ihren Arztberuf ausüben zu können. Alle nichtiranischen, europäisch-amerikanischen Autoren sprechen hier von einer beachtenswerten und in der Welt einzigartigen Approbationsordnung, die besondere Vorschriften über die Erlaubnis zur Ausübung der ärztlichen Praxis festlegt. Die hohe ethische Anforderung an Ärzte ist die Fortsetzung der hohen ethischen Anforderung Zarathustras an Menschen im allgemeinen. Humanismus ist erst dann Humanismus, wenn dies auch Geltung für
andersdenkende und Andersgläubige hat. Wenn ein Arzt frei von jedem Vorurteil sogar sein Feinde heilend behandeln kann, dann ist er erst würdig, Arzt zu sein.
Der Arzt im alten Iran war ein freier, unabhängiger Mensch. Ein Mensch, der seine ärztlichen Handlungen unabhängig von Politik, Behörde, Religion, Rassen, Nationalismus durchzieht, das ist ein richtiger Arzt.
Originaltext aus der Approbationsordnung der Chirurgen:
„ O Schöpfer, ehrwürdiger! Wenn sie, die Mazdagläubigen sich der Heilkunst widmen wollen, an wen von den beiden sollen sie zunächst ihre Befähigung zu erweisen suchen: An Gläubigen oder an Ungläubigen (Fremden)? Da sagte Ahuramazda: An Ungläubigen sollen sie eher ihre Befähigung zu erweisen suchen als an Gläubigen, wenn er einen ersten Ungläubigen (Fremden) operiert, und er stirbt, wenn er einen zweiten, Fremden, Ungläubigen operiert, und der stirbt, wenn er einen dritten, Ungläubigen operiert, und der stirbt, dann ist er für immer und ewig ungeeignet.
Nicht sollen sie dann auch bei Gläubigen als Ärzte wirken, nicht sollen sie an Gläubigen Operationen ausführen, und nicht sollen sie durch Operationen Schaden tun, wenn sie dann auch bei Gläubigen als Ärzte wirken, wenn sie Gläubige operieren, wenn sie durch Operationen Schaden tun, so büßen sie für des Geschädigten Schädigung mit der Strafe für vorsätzliche Körperverletzung.
Wenn er einen ersten Ungläubigen (Fremden) operiert, und der kommt davon, wenn er einen zweiten Fremden operiert, und der kommt davon, wenn er einen dritten Fremden operiert, und der kommt davon: Dann ist er erprobt für immer und ewig.
Nach Belieben sollen sie dann auch bei den Gläubigen als Ärzte wirken, nach Belieben sollen sie Gläubige operieren, nach Belieben sollen sie durch Operationen heilen.
Diese „Zulassungsordnung“ ist für die Antike einzigartig. Denn sonst konnte jedermann, der es sich zutraute und Patienten fand, im Altertum als Arzt praktizieren. Die meisten Heilkundigen übten ihr Geschäft als Wanderärzte, von Ort zu Ort ziehend aus, und es gab keine Kontrolle von staatlicher Seite oder von sonst irgendeiner Stelle. Wie oben erwähnt, war dies im alten Iran also nicht so. Eine der erstaunlichsten Approbationsordnungen für Ärzte, vermutlich auch die erste Approbationsordnung der Welt, ist ein Beweis dafür.
Arztsein in der iranischen Kultur war etwas Außergewöhnliches, und der Arzt mußte über eine außergewöhnliche Persönlichkeitsstruktur verfügen.
Toleranz, Weltoffenheit, Liberalität. Respekt vor leidenden Menschen und der Wille, allen Patienten, ohne Rücksicht auf ihre Herkunft, Religion und Rasse, nach bestem Wissen und Gewissen helfen zu wollen, sind einige Eigenschaften, die zu dieser Persönlichkeitsstruktur gehören.

Literaturverzeichnis:

1) Elgood, C.: A Medical History of
Persia 1951

2) Jastrow, M.: The Medicine of the Babylonians
and Assyrians

3) Kenter, H. und
Knipping, H.W.: Asien. Begegnungen durch
Kunst und Medizin 1965

4) Kirfel, W.: Ist die altindische Medizin arischen Ursprungs? 1955